Yeah -jetzt geht es wirklich los!

What a ride! Nach 37 Stunden haben wir vor dem Städtchen Sitges zwischen Barcelona und Terragona geankert. Auf 2,5m Wassertiefe bei 23kn Wind. Aber auf Sand und mit genügend Platz um uns herum. Was könnte besser sein? Zumal der neue Anker der Hammer ist. Einfach reinschmeißen und er hällt. Spektra aus Australien, falls sich jemand für Details interessiert… .

Katja hat ja schon von unserem Start geschrieben. Nach dem Aufstehen um 04.00h habe ich mich gefühlt, als hätte ich gar nicht geschlafen. Keine optimale Vorbereitung vor der ersten Nachtfahrt. Ziel war es, noch guten Wind im Golf von Lyon zu erwischen, um dann von Cassis quer rüber in Richtung Barcelona zu segeln. Das hat dann auch tatsächlich geklappt. Die Vorhersage von Arome traf zu und wir hatten ca. 15kn Wind aus Nord-West. Optimale Bedingungen könnte man denken. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass sich auf der kurzen Strecke des Golfes eine eigenartige Welle aufbaut: kurz, steil, aus allen Richtungen gleichzeitig. So lange wir Wind hatten ging das. Es ruckelte und zuckelte aber nichts flog wirklich durch die Gegend und mit etwas Balancegefühlt war es tatsächlich möglich, einen Kaffee zu kochen. Als der Wind abflaute, sollte unser Code D, das Leichtwindsegel für jeden Kurs (!) zum Einsatz kommen. Das war anfänglich super. Wir machten durchschnittlich 8 kn Fahrt und das Segel ließ sich relativ einfach setzen bzw. bergen. Erst als der Wind immer weiter abflaute, die Welle aber blieb, kamen dunkle Erinnerungen an die letzte Atlantikreise. Das Boot schwankt in der Welle hin und her, keine Wind, der Kraft gibt, um sich dagegen zu stellen. Die Segel fangen an zu schlagen und furchtbare Geräusche zu machen. Das ist echt zermürbend. Zumal es einfach nicht gut für das Material sein kann.

Insgesamt waren wir deutlich langsamer, als ich mir erhofft hatte. Bei den ersten Probefahrten, haben wir es bei 10kn wahrem Wind auf 10kn Geschwindigkeit gebracht. Jetzt zeigen unsere Vorräte, Einbauten, Ersatzteile, Werkzeuge usw usw Wirkung. Das Boot ist viel schwerer und damit viel langsamer. Nun, wir werden trotzdem ankommen. Und für unseren ersten langen Schlag von 225nm (ca. 415km) haben wir 37 Stunden und damit einen Durschnitt von 6 Knoten geschafft. Schlecht ist das auch nicht!

Es war ein ziemlicher Kickstart, gerade für Katja. Wellen, Starkwind, Flaute mit schlagenden Segeln, Segelwechseln bei Nacht im Dunkeln, große Frachtschiffe um uns herum… alles Dinge, die ein Fahrtensegler kennt, auch wenn man dazu neigt, die unangenehmen Erfahrungen zu verdrängen. Ich zumindest tue das. Zwischendurch kamen mir echte Zweifel: Wollen wir tatsächlich über den Atlantik? Im ernst? Freiwillig? Warum macht man sowas… . Es ist anstrengend, es schaukelt unentwegt, man ist immer müde, man hat phasenweise Angst, es geht immer etwas kaputt… . Dazwischen gibt es allerdings echte Glücksgefühle. Wenn das Boot durch die Welle rauscht, wenn es harmoniert zwischen Wind, Wellen, Boot und Crew. Dann fühlt es sich großartig an und alles andere ist vergessen. Wenn Delphine zu uns kommen, wenn die Sonne über dem Horizont auf-oder untergeht, wenn Katja zum Zeitpunkt totaler Erschöpfung einen Teller Nudeln gezaubert hat. Dann ist alles wieder gut und das Leben ist schön. Ich kenne kaum etwas, wo die Amplitude zwischen hoch und tief so groß und vor allem so schnell hintereinander kommt.

Morgen ist nun ein Arbeitstag! Dank Elon Musk hatten wir selbst mitten auf dem Golf von Lyon Internet. Ich musste zwar den Tarif upgraden und für „Ozeannutzung“ extra zahlen aber wenn man einmal Erfahrung mit herkömmlicher Satellitenkommunikation hatte, ist das ein Quantensprung. Mitten auf dem Meer gibt es Dank einer kleinen Schüssel WLAN mit 300MBit Downloadraten. Unglaublich. Keine Ahnung, ob das am Ende gut ist. Bieten doch Funklöcher auch Freiheit von der universellen Erreichbarkeit und damit haben damit etwas von Internetfasten. Für mich ist es ein echter Vorteil: Habe ich doch geplant, während der Reise meine Projekte zumindest in reduziertem Umfang fortzuführen, was dank flexibler Auftraggeber auch zu klappen scheint. Also morgen wird gearbeitet. Auch wenn das Wetter nach Weitersegeln schreit. Für Arbeiten während des Segelns sind wir noch nicht eingespielt genug, aber das wird auch noch kommen!

Mit unserem ersten Schlag, dem hissen der spanischen Gastlandflagge sind wir wirklich unterwegs. Ich bin erschöpft und begeistert, freue mich darauf, die spanische Küste entlang zu segeln und in Gibraltar noch einmal tief Luft zu holen, bevor es auf den Atlantik geht!

3 Kommentare zu „Yeah -jetzt geht es wirklich los!“

  1. Klaus Josef Feiten

    Hi Katja und Martin,
    toll, dass ihr eure Notizen so öffentlich macht. Ich kann nur staunen über Leute wie euch!
    Beste Grüße Klaus Feiten

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