Online vor dem Absprung

Ahoi, ihr Lieben, eine gute Nachricht zuerst: Biosphera ist jetzt auf Vesselfinder.com zu finden. Einfach vesselfindercom aufrufen, den Bootsnamen eingeben und es wird euch unsere aktuelle Position angezeigt. Wir sind unter französischer Flagge dargestellt, was daran liegt, dass die französische Bank auf eine französische Registrierung bestand.

Die zweite gute Nachricht: Endlich hatten wir Bedingungen, in denen es uns gelungen ist, auch den zweiten Schriftzug aufzubringen. Die Biosphera hat jetzt also auf beiden Seiten einen Namen, sie ist damit getauft, was wir entsprechend gefeiert haben!

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal einen Toast auf meine Mitseglerin ausbringen: Katja hat wenig Übung als Seglerin, ist eher ihren Kindern zu Regatten gefolgt als selbst zu segeln und hat vor nicht langer Zeit das erste Mal mit mir ein größeres Boot betreten. Inzwischen segeln wir gemeinsam Nächte durch, fahren durch Strömung und Zonen mit viel Wind und Katja hält dabei eigenständig Nachtwachen. Chapeau! Dazu krabbelt sie mit großen Wissensdrang in den Motorraum und hilft mir mir analytischem Blick, Fehler zu finden und zu beheben! Inzwischen ist sie die Einzige, die weiß, wo an Bord alles ist… .Vielen Dank, liebe Katja, du bist eine großartige Mitseglerin!

Wie ihr sehen könnt, sind wir noch nahe Gibraltar. Nachdem wir einige Tage dort in der Marina lagen und uns um Elektrik und andere Dinge gekümmert haben, sind wir in die Bucht von La Linea umgezogen, wo wir wieder vor Anker liegen. Das spart Hafengebühren und ist angenehm, da man auch hier ins Wasser springen kann. Sonst ist das hier ein wirklich schräger Ort: Im Hintergrund sieht man den Felsen von Gibraltar, an den sich eine kleine Schar von Häusern klammert in denen brittische Lebensart kultiviert wird. Auf der anderen Seite La Linea, wo zur Zeit ein Ruderrennen stattfindet und laut moderiert wird. Auf der Westseite dann Algecieras mit einem riesigen Güterhafen. In Gibraltar ist es eng und der Verkehr ist laut und obwohl eigentlich nur 60.000 Einwohner dort leben, ist es eher hektisch als gemütlich. Der Felsen selbst ist ein Naturschutzgebiet, wo die berühmten Affen zu bewundern sind. Nach der Auffahrt mit der Seilbahn sind wir langsam heruntergewandert und haben dabei etliche Verteidigungsanlagen betrachtet, die an allen möglichen Stellen in den Berg gehauen sind. So richtig angenehme friedliche Energie will da nicht aufkommen.

Ganz anders ging es uns vorher, in der Bucht Genovese kurz vor Almeria. Es war ruhig, das Wasser war klar, es gab viele Fische. Davor war es das Ebro-Delta, was uns mit seinem Naturschutzgebiet in seinen Bann geschlagen hat. Für mich ist das schon eine erste Erkenntnis der Reise mit der Biosphera: Wenn wir uns auf den Besuch von Biospherenreservaten konzentrieren, sind wir automatisch in schöneren Gebieten. Gerade die spanische Küste ist teilweise hemmungslos überbaut, in den besagten Orten aber war es eher naturbelassen und ruhig. Die Touristen waren meist spanisch und alles fühlte sich respektvoll behandelt an.

Ganz anders also hier, wo auf der einen Seite besagter Felsen liegt, direkt vor uns La Linea, wo sich der Moderator des Ruderrennens langsam dem Höhepunkt nähert. Diesmal ist es ein zweifelhaftes Vergnügen in der ersten Reihe zu ankern. Hinter uns die Hafenanlagen von Algecieras, was wohl der fünftgrößte Hafen Europas ist. Überall liegen große Schiffe auf Rede. Bei Dunkelheit haben wir ein Lichtermehr von allen Seiten. Der Ort ist bekannt als Absprungort vor den Schlag nach Südwesten in Richtung Kanaren oder Marokko. Man kann hier abwarten und ggf. zu jeder Tages- oder Nachtzeit auslaufen. Die Straße von Gibraltar ist ein anspruchsvolles Revier. Neben dem intensiven Schifffahrtsverkehr, es ist glaube ich die meistbefahrene Strecke der Welt, sind es Wetter und Strömung, die uns zu schaffen machen. Die Oberflächenströmung geht grundsätzlich von Westen nach Osten. Das Mittelmeer ist salziger als der Atlantik und wärmer, was dazu führt, dass es einen ständigen Zuflusstrom aus dem Atlantik ins Mittelmeer gibt. Das haben wir schon bei unserer Ankunft hier erfahren, wo wir ca. 20 Stunden 1,5-2 kn Strömung von vorn hatten. Hinzu kommt der Gezeitenstrom, der durch die Enge der Straße beschleunigt wird. Auch der Wind erfährt einen Düseneffekt, so dass oft sehr starke Westwinde herrschen. Wir brauchen also eine Wetterlage, in der grundsätzlich Ostwind herrscht und dazu den richtigen Zeitpunkt, um den Tidenstrom mit uns zu haben. Eigentlich war heute der perfekte Moment dafür, so dachten wir zumindest. Gestern wurde dann aber deutlich, dass der uns genehme Ostwind in Böen eine Stärke von 40kn erreichen wird, was dann für das Kreuzen der Straße zwischen den riesigen Schiffen doch zu aufregend ist. Also Safety first, wir warten! Morgen sieht es so aus, als würde sich der Wind legen. Es kann zwar passieren, dass wir viel motoren müssen, aber in Anbetracht der beschriebenen Herausforderungen, erscheint uns das als das kleinere Übel. Ziel ist dann erst einmal Tanger. Dort sind wir in Marokko, wieder eine neue Welt und der schwierigste Teil der Straße von Gibraltar liegt hinter uns.

Heute werden wir noch Spanien genießen, leckere Tapas essen und dabei den Wetterbericht studieren. Das Boot ist bereit, mit günstigen Diesel aus Gibraltar betankt und auch die Vorräte haben wir mit langem Spaziergang und Dinghifahrt im Dunklen sicher an Bord geschafft. Drückt uns die Daumen für gute Bedingungen!

6 Kommentare zu „Online vor dem Absprung“

  1. Hey ihr beiden, schön und beindruckend zu Lesen, wie gut es vorwärtsgeht und Ihr mit den Aufgaben wachst. Wie gerne wäre ich spontan Mitsegler und Unterstützer auf dem Schlag zu den Kanaren in die alte Heimat. Leider fehlt es mit an Zeit Zeit und seglerischer Erfahrung dafür. Alles Gute Euch aus Berlin weiterhin, vielleicht sehen wir uns ja in der Karibik am Strand von Costa Rica 😊

  2. Ihr weit weg auf dem Meer
    Segel Richtung Marokko

    Ich hier auf festem Boden
    doch mit euch im Wind

    Die Sehnsucht geht auf Reisen,
    Und mein Herz fährt mit

    Umarmung von Anja

    1. Wie poetisch und schön! Ja, der Wind nimmt uns und viele Gedanken und Sehnsüchte mit.
      Gestern in einer Ausstellung habe ich ein Sprichwort der Tuareg gelesen: „Reisen geht von selbst zu sich selbst über die anderen!“
      Die Ausstellung handelte von einem Reisenden, Gelehrten und Diplomat des 12. Jahrhunderts Ibn Battuta; der mit viel Offenheit für fremde Kulturen gereist ist. Das gefällt mir! Komm mit uns auf die Reise! Umarmung Katja

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