Atlantiküberquerung Tag 1

Um 10:30 h am 15.01.2026 lichten wir den Anker und setzen Segel Richtung Karibik. Was für ein Abenteuer! Yuhuu, wir sind gestartet! Die letzte Zeit vor der geplanten Abreise ist dann doch mit etwas Anspannung verbunden und es fühlt sich gut an, jetzt unterwegs zu sein. Unsere Crew ist gut drauf. Steward ist vor drei Tagen aus England angereist mit sehr viel Gepäck und wichtigen Dingen, wie Branston Pickels and Cheese 🙂 Und natürlich einem neuen Propeller. Stewards britischer Humor macht schon jetzt viel Freude und er spielte Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ am Morgen der Abfahrt. Jannik kam vorgestern mit der Fähre aus Sal. Morgens um 5.00 h machte er sich mit seinem großen Kitegepäck einen Weg durch den Fischerhafen, er war nicht zu übersehen und wurde von Buda und seinen Jungs auf das kleine Holzboot zur Biosphera gebracht. Was für ein Service!

Die Polizei wollte uns nicht gleich gehen lassen und ließ uns eine Stunde warten aber inzwischen sind wir ganz gut in „No Stress“ und eine Stunde verspätete Abfahrt macht bei einer Strecke von 2.200nm, ungefähr 4.000 km keinen großen Unterschied. Das Abschiedsfrühstück bestand aus Katchupa in der Hafenbaude, dann gings an Bord und schon waren wir unterwegs. Es ging plötzlich alles ganz schnell und schon sehen wir kein Land mehr. Wir fahren nur mit Genua bei ca. 25kn Wind von hinten erst einmal Richtung Südwesten. So hoffen wir, dem Windschatten der Inseln Santiago und Fogo zu entgehen und auch nicht in die Kap-Effekte zu geraten, bei denen der Wind gern mal um etliche Knoten zunimmt. Die Genua treibt uns allein mit ca. 8kn voran. Dabei ist die Stimmung entspannt. Wir fühlen uns gut vorbereitet und Stewarts Playlist sorgt für die richtige Untermalung.

Gestern verbrachten wir den ganzen Tag damit Essen einzukaufen, zu verstauen und vorzukochen. Das Einkaufen auf den Kap Verden ist nicht ganz so einfach. Fast alles muss importiert werden, nicht immer ist alles verfügbar und recht teuer ist es auch. Wir hatten mal wieder eine richtig tolle Unterstützung von den „Locals“. Im Importladen bekamen wir frisches Obst und Gemüse und der Händler besorgte uns alles, was auf der Insel wächst und brachte uns dann wieder zu unserem Shuttelboot, zu Buda. Nun hängt das Obst und Gemüse im Netz, säuberlich getrennt. Nicht alles darf zusammenlagern, weil es sonst früher schlecht wird. Im Supermarkt haben wir dann alles weitere bekommen. Das Mehl im ersten Supermarkt mussten wir jedoch stehen lassen, da kamen uns schon die Motten entgegen. Jannik kochte schon seine leckere Lauch-Hackfleisch Suppe vor und ich bereitet ein Boeuf Bourguignon zu. Die nächsten Tage sind wir also schon einmal versorgt und wir fühlen uns gut gerüstet.

Alle wesentlichen Reparaturen und Wartungsarbeiten haben wir zuvor erledigt: Dingy abgedeckt, Wasserfilter gewechselt, Schoten ausgewechselt, Gelcoat repariert, Öl und Kühlwasser am Motor gescheckt, Segel mit Gorillatape (aus England mitgebracht) geschützt und vor allem das Deck geputzt. Es sah gruselig aus. Die letzten Tage tobte ein mächtiger Wind, der den ganzen Sand aus der Sahara auf die Kap Verden schickte. Unsere Atemwege hatten auch ordentlich gelitten, ein fieser Husten machte sich breit und das Boot war mit einer feinen Schicht rötlichem Sand bedeckt. Den neuen Propeller haben wir nicht installiert „never change a running system! Es hätte zu viel passieren können, so dass wir uns alle besser fühlten, dies nicht kurz vor der Atlantiküberquerung zu wagen.

Vor der Ankunft unserer Mitsegler hatten wir noch mal zwei Tage auf Land verbracht und das wundervolle Hinterland von Santiago aufgesucht. Ein nettes Hotel mitten in den Bergen, den Picos, bot fantastische Aussicht in die Täler. Wenigstens am ersten Tag, denn auch hier war die Sicht durch den Wüstensand begrenzt. So schlimm fanden wir das jedoch nicht, denn eigentlich wollten wir uns nur ausruhen und mal wieder ordentlich duschen, Haare schön machen 😊 und Bäume und Erde berühren. Leider mussten wir diesen Ausflug einen Tag früher als gewollt abbrechen, denn ich verlor eine Zahnkrone! So hätte ich nicht über den Atlantik segeln können. Also ab zum Zahnarzt. Der Besitzer des Hotels empfahl uns eine wunderbare Praxis in Praia, die auch Samstag geöffnet hatte. Und was soll ich sagen, wir fanden nicht nur einen Zahnarzt, sondern auch einen Freund. Am Samstag konnte er nicht mehr viel für uns tun, aber ich bekam einen frühen Termin am Montag. Er fragte uns, ob wir für Sonntag schon was vorhaben und ob wir Santa Cruz seinen Heimatort kennen würden. Kannten wir nicht und Zeit hatten wir auch. Um 10.00 h saßen wir dann im Auto von Elder. Ein toller Tag. Santa Cruz ist das landwirtschaftliche Zentrum der Insel. Hier wächst alles von Zuckerrohr, Bananen, Papaya und Bohnen, was für das tägliche Überleben wichtig ist. Elder zeigt uns alles und wir lernen wieder viel über Land und Leute. Dann geht es noch zu seiner Mama! Was für ein Schatz sie ist, sie backt für uns Couscous Kuchen und ich lerne wie das geht. Am Ende haben wir einen riesigen Sack Papayas und Bananen von ihr für die Überfahrt geschenkt bekommen. Die Zahnkrone wurde dann am Montag auch exzellent eingesetzt und repariert! Danke Elder von der Clinica Arte Dentária.

Voll mit all den wundervollen Eindrücken von Kap Verden segeln wir nun einer unbestimmten Zukunft entgegen. Was für ein Geschenk uns das Leben bereitet. Wir wollen hier weiter berichten und erzählen wie es uns bei der Überfahrt geht. Fragt gerne nach, was euch interessiert!

7 Kommentare zu „Atlantiküberquerung Tag 1“

  1. Liebe Katja, lieber Martin,
    freu mich sehr über Euer update!!!!
    Beim Lesen entstehen sofort Bilder und man sieht Euch beim Einkauf oder auf dem Boot, macht mir sehr viel Freude so mitreisen zu dürfen.
    Dank Eurer Begeisterung für die Kap Verden bin ich jetzt quasi auf Euren Spuren. Fliege am 1.2. nach Boa Vista, danach habe ich mir Santiago für die folgenden Wochen ausgesucht, um wieder von Sal zurückzufliegen. An- und Abflugsorte sind flugpreisbedingt gewählt und Santiago bietet mir wohl die grösste Vielfalt.
    Mich würden Name/Kontaktdaten Eurer Unterkunft interessieren, von der Du so geschwärmt hast.
    Vielleicht grüsse ich den Arzt ja nochmal von Euch, bin dann ja auch in Praia, hoffentlich aber ohne Zahnverlust.
    Freu mich über Euren nächsten Bericht und bin gespannt, was mir selbst bevorsteht.
    Ganz liebe Grüsse an Martin und an die unerschrockene, humorvolle Crew bei diesem Marathon auf See, vor der ich höchsten Respekt habe.

  2. Liebe Katja, lieber Martin, danke für den audiokommentar,sehr gute idee, noch mehr live dabei für uns, wie wohl gerade der Wind bei euch steht? Bin sehr gespannt darauf, zu lesen oder hören , wie schnell das Boot mit grossegel voranrauscht. halte dich bitte immer irgendwo fest !! Aber nicht an einem vorbeifliegenden Fisch 😉 viele Grüße auf die See sendet euch Karina

    1. Liebe Karina, schön, dass dir das Format gefällt. Es fällt jedenfalls leichter zu quatschen, als bei dem Geschaukel zu schreiben. Ich halte mich auf jeden Fall gut fest! Liebe Grüße und ich freue mich schon auf unseren nächsten Aperol! Überings auf der Überfahrt trinken wir keinen Tropfen Alkohol, das ginge überhaupt nicht.

  3. Hey ihr Lieben, toll mit eurer Sprachnachricht, da seid ihr ganz dicht bei uns!

    Die fliegenden Fische müsst ihr nicht mehr über Bord werfen die könnt ihr doch essen.😊 Sie sind sogar eine Delikatesse!
    Und ich nehme auch wirklich an, dass zu viel Wasserdruck da ist auf der Angel, so dass die Fische möglicherweise deswegen nicht anbei, weil das Boot zu schnell ist.

    Ganz liebe Grüße aus dem winterlichen Berlin leider momentan ohne Schnee, aber demnächst wieder sehr eisig
    Der Duft von eurem selbst gebackenen Brot hing hier auch in der Luft, als ihr davon berichtet habt- lecker !

    Herzliche Grüße, Martina und Tojo 🤗😘

    1. Ahoi ihr Lieben, vielen Dank für diese Nachricht. Ich würde nicht unbedingt auf die Idee kommen, die fliegenden Fische zu essen, wie bereitet man diese denn zu? Gestern Nacht ist einer der größeren fliegenden Fischen Stewart and die Brust geflogen in seiner Schicht, der hat sich total erschrocken. Martin holt gerade ein weiteres Brot aus dem Ofen und der Geruch verbreitet sich im Boot. Liebe Grüße
      Katja und Martin

  4. hallo ihr lieben, ich lese mich jetzt hier auch iel durch, cool euch die zu verfolgen!

    fliegende Fische sind nur voller Gräten, nicht sehr lecker. vielleicht angelt ihr eine Regenbogen Dorade, die sind sehr schön und auch lecker! fischt dann aber gleich das Pärchen mit raus was meist am Boot entlang schwimmt da diese Fische nur zu zweit leben und der Hinterbliebene sich tatsächlich eingehen lässt…

    viel Spaß beim Entdecken der 50 Shades of Blue!!

    1. Liebe Anja! Du weißt wovon wir sprechen, weil ihr es als Familie auch schon gemacht habt. Ich habe echt Respekt, dieses Abenteuer mit kleinen Kindern zu machen! Hut ab, hab ganz schon mit mir selbst zu tun 🙂 Ich weiß jetzt auch warum es „Blauwassersegeln“ heißt, mein blauer Fleck, von meinem Fall im Salon, bekommt jetzt verschiedene Blautöne.

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