Erster Ausflug mit dem Dingy ins Biosphärenreservat Terres de l‘Ebre

Nix da Ruhe! Die Nacht nach den 37 Stunden auf See war alles andere als erholsam. Die ganze Nacht hoben und senkten die Wellen das Boot, was ich eigentlich ganz schön finde, nur der Lärm, der damit einhergeht ist anstrengend und meine Ohrstöpsel habe ich nicht gefunden. Die Nacht war also nicht erholsam, hier mussten wir weg.

Weiter: Um 6.30 h lichten wir den Anker, dann entlang der Küste, vorbei an Tarragona, dass von See viel schöner aussieht als an Land, aber dennoch mit seinem riesigen Umschlaghafen nicht wirklich romantisch ist. Der Wind ist schwierig, mal dolle mit 25 Knoten, dann wieder nix. Ich übernehme die Schicht mit wenig Wind, der Motor schnurrt. Motorsegeln nennt man das. Dann ändert der Wind seine Richtung wird stärker. Ich traue mich die Segel zu öffnen, den Motor zu reduzieren, zu segeln! Am Ende fahren wir mit 9,2 Knoten durchs Wasser. Leider lässt der Wind wieder nach, und der Motor nimmt uns wieder ein Stück des Weges.

Danke Mama, dass du mich in deinem Kommentar daran erinnerst, dass in meiner Familie doch Seefahrer stecken, dann wird es wohl Zeit für eine Seefahrerin 😊! Das erklärt vielleicht auch, warum ich nicht seekrank werde.

Christine und ihr Papa Werner sind mit mir rund um Usedom gesegelt, als es in meinem Leben mal nicht so schön war. Ich weiß noch, wie sehr ich zur Ruhe kam. Ihre Nachricht, dass eine alte Segelweisheit besagt, „Wenn du das erste Mal übers Reffen nachdenkst, tue es!“ kam genau in einem Augenblick als wir überlegten ins erste Reff zu gehen. Überhaupt freut es mich sehr, dass meine ehrlichen Mitteilungen euch gefallen, danke für die Kommentare <3.

Für viele ist das Fahrtensegeln ein Traum, den sich nur einige erfüllen (können). Für mich war es eigentlich nie ein Traum, sondern ein Angebot, das in mein Leben mit meiner großen Liebe kam. Ich habe als Jugendliche auf der Havel in einer 420 Jolle mit meiner Freundin Anja den Binnenschein gemacht. Das war klasse! Dann fanden meine Kinder zum Segeln, ich war da nur die Mutti, die die Kids zur Regatta begleitet hat. Ich fand das ganze „Hightitei“ rund ums Segeln eigentlich anstrengend, in Yachthäfen fühle ich mich auch nicht zu Hause. Aber jetzt hier vor Anker zu liegen, ganz nah am Element Wasser, ist bezaubernd. Ich bin dankbar, dass ich den Mut gefunden habe einzusteigen.

Nach 12 Stunden Fahrt sind wir dann doch ziemlich erschöpft im Ebrodelta angekommen. Der Wetterguru prognostizierte Sturm aus Westen. Wir versteckten uns tief in eine Einbuchtung. Es war ruhig hier und die Landschaft gezeichnet von wunderschönen Lagunen. Ein pittoresker Sonnenuntergang umgab uns. Martin zückte die Gitarre, ich holte mal das Equipment für die bevorstehenden Soundaufnahmen hervor. So habe ich mir das vorgestellt, das Reisen auf See.

Die Nacht war ok bis ich um 12.00 h auf einmal den aufziehenden Sturm bemerkte. In Nordost dann ein riesiges Gewitter! Was für ein Naturspektakel, bin ich froh nicht darin verwickelt zu sein. Bis morgen frischte der Wind auf, die Wellen stärker. Schlafen ging so lala. Heute wollten wir einen Pausentag einlegen, Martin hatte zu arbeiten und dann wollten wir ein bisschen die Umgebung erkunden. Doch es kam anders (bis auf das Arbeiten).

Zuerst stellten wir fest, dass unser Windmesser nicht mehr geht. Martin steckte den Kopf tief in die Elektronik, machte Updates, verlor Schrauben im Rumpf des Bootes und fand sie wieder, der Fehler war nicht zu finden, sollten wir rauf auf den Mast? Der Wind war zu dolle. Bei dieser Aktion stellten wir fest, dass Salzwasser in der Bilge des Mittelrumpfs war, wo kam das her? Dann immer noch kaum verständliche Anzeigen unserer Solaranlage. Ich testet unser Wasser, dass wir mittels Watermaker erzeugt hatten. Mit 440 ppm und 7,5 pH ganz ok, aber es könnte besser sein. Ich lese die Bedienungsanleitung. Auch das Trampolin, dass im Heck zwischen den Rümpfen gespannt wurde, damit nicht so viel Wasser auf unsere „Terrasse“ kommt, ging gestern bei der Fahrt kaputt. Wasser ist stark. Wir brauchen mal wieder eine Stärkung! Ich will kochen und stelle fest, dass auch der Schnellkochtopf nicht geht. Das konnte ich aber reparieren, yeah! Am Ende gab es leckere Aubergine in Tomatensoße mit Reis. Die Aubergine ist eine von drei, die bis hierhin überlebte, die beiden anderen überstanden die Hitze leider nicht.

Um 17.00 Uhr wagten wir uns ans Dingy, warum ging es letztens nicht? Naja, es braucht halt Benzin und der Tank fasst nur 1,5 Liter. Wir erkundeten die nächste Umgebung. Ich hatte mich vor lauter Reparaturen nicht auf die Gegend vorbereitet. Nun war ich aber verblüfft von der Artenvielfalt, den Vögeln, den Sound der Landschaft. Was für ein besonders Landschaftsgebiet. Ich recherchiert und was soll ich sagen, wir sind mitten im Biosphärenreservat Terres de l’Ebre. Es ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete des westlichen Mittelmeers. Ein Mosaik aus Lagunen, Dünen, Salzmarschen und Reisfeldern beherbergt eine außergewöhnliche Biodiversität. Über 300 Vogelarten – darunter Flamingos und Reiher – machen es zu einer zentralen Station auf der Zugroute zwischen Afrika und Europa. Mittendrin finden wir eine Muschelzucht. Fischer ziehen ihre Reusen aus dem Wasser. Und Kleinflugzeuge landen direkt neben der Lagune und wie ich später recherchierte, neben der Kernzone. Schade, dass wir nicht mehr Zeit haben, um uns hier weiter umzuschauen. Verblüfft bin ich von der schlechten Informationslage des Biosphärenreservats. Im Netz findet man nicht wirklich viele Informationen und nur dank Google Translate auch in einer anderen Sprache als Katalanisch.

Jetzt ist Zeit für die Nachtruhe. Morgen müssen wir wieder eine Langfahrt machen, um noch vor dem Sturm nach Gibraltar zu kommen, dass Ganze ohne Windanzeige. Marin hat Fähnchen angebracht, um den scheinbaren Wind besser zu erkennen. Ich werde schon noch zur Seebärin.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen