Nach anstrengenden Tagen von Cassis bis zum Ebro-Delta brauchten wir erst einmal Pause. Die Nacht im kleinen Ort Sitges war so rollig, dass wir eigentlich auch hätten durchsegeln können. Rollig heißt, dass die Welle aus einer anderen Richtung als der Wind kommt und daher das Boot ständig schaukelt. Der Trimaran schaukelt nicht so, wie ein Einrumpfboot, was sich richtig aufschaukeln kann, so dass alles durch die Gegend fliegt. Durch die äußeren Rümpfe wird die Rollbewegung abrupt gestoppt, was besser ist als Aufschaukeln, was dann aber zu etwas abgehackten Schaukelbewegungen führt. Auf jeden Fall schlecht zum schlafen und wir lichteten nach wenig Schlaf morgens um 07.00h erneut den Anker. Ziel waren die tiefen Buchten des Ebrodeltas, wo wir uns vor dem kommenden Starkwind verstecken wollten. Das hat dann auch gut geklappt, Katja hat ja davon berichtet.
Als Freund von Wettervorhersagen möglichst vieler Wettermodelle hatte ich gesehen, dass eine Starkwindfront aus Westen durch die Düse von Gibraltar fegen sollte und neben dem Wind auch Wellen von vorn bringen sollte genau zu der Zeit, wenn wir dort entlangsegeln wollten. Was tun? Vorher sollte der Wind günstig sein, also schnell los und vorher durch… . So der Plan. Der passte allerdings überhaupt nicht zu unserer Verfassung, unserem Erholungsbedürfnis, unserem Wunsch, das Biosphärenreservat besser zu erkunden und überhaupt, die Zeit zu genießen! Als uns das klar wurde, änderten wir kurzerhand den Plan, was wir zugegebenermaßen gern und oft tun. Wir beschlossen, entspannt um das Delta zu segeln und auf der anderen Seite zu ankern. Dort das Meeresmuseum zu besuchen und den großen Muschelmarkt. Das fühlte sich herrlich an! die Aussicht auf sofort wieder einer Nacht auf See wurde eingetauscht gegen das, warum wir eigentlich unterwegs sind. Wahrscheinlich müssen wir erst noch lernen, weniger um Funktionsmodus zu denken sondern die Zeit zu genießen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und der Wind? Nun ja, mehr als 3 Tage kann den eh keiner zuverlässig vorhersagen und er wird sich schon zu unseren Gunsten ändern. Wenn nicht? Gibraltar läuft uns nicht weg, dann kommen wir halt später an!


So hatten wir dann Zeit, uns um den Windmesser zu kümmern und auch hier entschlossen wir uns, nicht bei Wind und leichter Welle in den Mast zu klettern, wo wir wahrscheinlich eh nichts hätten bewirken können. Der Windmesser ist Teil des NMEA2000 Netzwerkes an Bord und dort hängt alles zusammen. Es kann also sein, dass Probleme in irgendeiner Ecke zu einem Ausfall an einer anderen Ecke führt und das ist wahrscheinlicher, als dass sich im Mast plötzlich Kabel lösen. Dank Elon konnten wir uns dann Software-Updates für die entscheidenden Komponenten herunterladen und nach einem Reset des gesamten Systems lief der Windmesser wieder. Hurra, wieder ein Problem gelöst und das ohne wilden Aktionismus! Und das Dinghy fährt auch wieder. Offensichtlich lösen sich Probleme mit Ruhe und Entspannung fast von selbst.


Heute stellt sich heraus, dass der Wind nun hier so ungünstig steht, dass wir erst Montag weiterfahren können. Also noch mehr Ruhe und Entspannung, mal sehen, was sich als nächstes löst :-). Mir tut das auf jeden Fall gut, nicht zu viel zu wollen und vor allem nichts zu erzwingen sind auf jeden Fall gute Lehren für mich. Inzwischen hängen auch weitere Sonnensegel von Anja und die Biosphera wird immer gemütlicher. Einzig ein Wasserschlauch mit reichlich Süßwasser würde ihr gut tun. Durch das an Deck gespritzte Wasser haben sich in einigen Ecken dicke Salzkristalle gebildet. Im Dinghy, was hinten aufgebahrt ist und was entsprechend viel Wasser abbekommt, hätte ich mehrere Salzstreuer mit dicken Kristallen füllen können, die nach dem Verdunsten des Wassers auf Boden und Leinen übrigblieb. Tut mir leid, das schicke neue Dinghy unter so einer Salzkruste zu sehen aber zum Deck spülen reichen die Kapazitäten unseres Süßwassertanks trotz Watermaker (Mehrwasserentsalzungsanlage) nicht aus.
