Kurz vor dem Aufbruch

Abfahrt

Als ich heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich nicht nach „Yeah, heute geht es los, ich freue mich so!“. Im Gegenteil, ich war ängstlich, fragte mich, ob das nicht eine Nummer zu groß für mich ist? Ich kann nicht wirklich Hochseesegeln, mein Rücken tut mir weh und werde ich überhaupt so viel Erfahren über Biosphärenreservate, bekomme ich Kontakt zu den Menschen?

Die letzten Tage vor der Abfahrt waren extrem anstrengend. Neben der Herrichtung des Bootes, war ich u.a. zuständig für den Proviant. Ich wusste, dass Einkaufen fortan mühseliger wird, ohne Auto und Logistik. Also wollte ich ein gut sortiertes Grundsortiment an Konserven, Hülsenfrüchten, Gewürzen etc. Die Einkaufliste war lang, wohl überlegt, dennoch blieb die Unsicherheit. Französische Supermärkte sind riesig und wirklich gut sortiert. Am Ende schob ich einen Einkaufwagen im Wert von 444,00 Euro an haltbaren Nahrungsmitteln durch die Kasse, war das nicht etwas übertrieben? Am kommenden Tag sollten noch die weniger haltbaren Nahrungsmittel eingekauft werden: Käse, Salat, Gemüse …

Im nahgelegenen Gartenmarkt mussten noch frische Kräuter her, für das Auge, den Geruch und die Seele. Das ist auch so ein Ding, ich habe die Befürchtung, dass ich vor lauter Wasser, die Pflanzen, das Grün sehr vermissen werde.

Vor zwei Jahren haben wir Urlaub in La Palma gemacht, dort trafen wir Menschen, die ganz nah an der Natur lebten, die der Zivilisation entflohen sind, aus ihren Berufen als Coach, Lehrer etc. Damals fragte ich mich, wie sie mit der Einsamkeit zurechtkommen. Dies schien jedoch kein Problem, sie hatten ja die Natur. „Und was raten Sie einem Menschen wie mir, wenn man mit der Natur kommunizieren möchte?“ fragte ich einen ehemaligen Lehrer. „Ich soll aufs Meer schauen, ganz lange und die Wellen beobachten, eins werden.“ Nun auf diesem Tripp werde ich dazu Gelegenheit bekommen 😊.

Heute, am 15.08, dem Nationalfeiertag in Frankreich, haben wir um 9:03h den Hafen „Port Cogolin“ verlassen, Richtung Westen, vorbei an St. Tropez. Wir haben Yachten der Superlative gesehen, schwimmende Villen. Für mich sehen sie eher abweisend aus. Äußerlich wirken auch nicht innovativ. Z.B. habe ich noch nie eine begrünte Yacht gesehen.

Jetzt beginnt also das große Abenteuer. Noch schnell ein Foto, um diesen Augenblick festzuhalten. Kurz nach dem Start hinter St. Tropez ein wunderbares Zeichen: Ich glaube, dass ein Delphin aus dem Wasser sprang, zweimal, jedenfalls war das Tier groß und freundlich.

Zunächst gibt es kaum Wind wir fahren unter Motor. Dann zeigt sich ein Lüftchen. Wir möchten noch das Leichtwindsegel ausprobieren, dass wir extra für die Atlantiküberquerung nutzen wollen, aber der Wind steht ungünstig. Schließlich segelt Martin profimäßig pünktlich zu Beginn der militärischen Flugshow in Toulon ein. Die Düsenjets über uns, versprühen die Nationalfarben der Franzosen, blau, weiß, rot. Eng an eng ankern wir neben kleinen Motorbooten voll mit Familien. Jetzt sind wir die Dicken. Es ist mächtig viel los, so eng habe ich noch nie geankert, es ist richtige Volksfeststimmung.

Ursprünglich wollten wir das Biosphärenreservat in Menorca ansteuern, aber dann hätten wir gleich mit einer Nachtfahrt beginnen müssen. Jetzt segeln wir einen langen Schlag in Richtung Barcelona, auf der Suche nach dem richtigen Windfenster. Ziel ist es am 1. September in Gibraltar zu sein.

Das Essen bruzzelt auf der Plancha, die Sonne geht unter. Keine einsame Bucht, dafür eine buntes Lichterleuchten und das Lachen von entspannten Menschen.

Nach dem leckeren Essen, dann ein fulminantes Finale dieses ersten Tages ein Feuerwerk so groß und schön, wie ich es noch nie gesehen habe und wir sitzen in der ersten Reihe, ohne das wir davon wussten, was für ein irrer Start ins Abenteuer.

Meine Angst am Anfang des Tages? Verflogen, es siegt die Neugier und ich finde wir sind ein starkes Team.

5 Kommentare zu „Abfahrt“

  1. Christian Stuhlmann

    Lieber Martin. Grosse Reise … ich wünsche Euch viel Mut und Zuversicht, intensive Begegnungen mit Euch selbst und vielem Neuen im Aussen.
    Bin gespannt, was ihr so schreibt und bleibe so ein bisschen dabei.
    Alles Gute. Christian

  2. Liebe Katja, ich werde Euch folgen. Viel Spass und interessante Erfahrungen. Freue mich schon auf euren nächsten Bericht.
    Liebe Grüße von deiner Zahnärztin.

    1. Das freut mich, dass du uns verfolgst- So gesehen gut, dass ich vor der Fahrt nochmal zur Zahnärztin gegangen bin, auch wenn ich schockiert war, dass ich so viele Löcher hatte 🙂 Bis dahin Katja

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