{"id":2605,"date":"2025-09-16T14:07:13","date_gmt":"2025-09-16T12:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/biosphera.life\/?p=2605"},"modified":"2025-09-16T14:15:08","modified_gmt":"2025-09-16T12:15:08","slug":"waerme-statt-wlan-oder-auch-es-laeuft-gerade-nicht-so-rund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/biosphera.life\/de_de\/waerme-statt-wlan-oder-auch-es-laeuft-gerade-nicht-so-rund\/","title":{"rendered":"W\u00e4rme statt WLAN oder auch Es l\u00e4uft gerade nicht so rund"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist 07.30h und wir liegen in Essaouira vor Anker. Das glaube ich zumindest, sehen kann ich nichts davon. Es ist so neblig, dass wir nicht einmal sehen k\u00f6nnen, wo unsere Ankerkette ins Wasser geht. Von anderen Booten, die hier liegen m\u00fcssen oder gar dem Hafen, dem Ufer, der Stadt ist absolut nichts zu sehen. Es ist dabei so nass, dass nicht das Deck von den \u00fcblichen Tautropfen bedeckt ist, die alles feucht machen sondern eine dicke Pf\u00fctze im Cockpit steht. Die Hose, die ich zum trocknen aufgeh\u00e4ngt hatte und h\u00e4ngen lie\u00df, damit sie in der Morgensonne komplett trocknet, klebt wie der ber\u00fchmte nasse Sack an der Leine. Dazu schaukelt es. Die Welle kommt von der Seite und da unser Trimaran eine leichte V-Form hat, schaukelt es jeweils so weit, bis es vom gegen\u00fcberliegenden Rumpf abrupt gestoppt wird, dann geht es zur\u00fcck. Als keine weiche schaukelnde Bewegung sondern leicht hackiges hin und her. Dazu pl\u00e4tschert es nett, was allerdings vom heulenden Wind untermalt wird. Wir haben ca. 20kn Wind (Windst\u00e4rke 5), der allerdings nicht in der Lage ist, den Nebel wegzublasen. So sitze ich also drinnen, und heize ein wenig mit dem Gasherd, der mir leckeren Kaffee bereitet hat. Katja schl\u00e4ft noch, nachdem sie in der Nacht nicht viel und nicht gut schlief. Und zur Erkl\u00e4rung des Titels: Da wir nicht st\u00e4ndig online sein wollten, ist die kleine Elon Musk Sch\u00fcssel drau\u00dfen installiert und mit einem mobilen Kabel verbunden. Das muss man innen in die Steckdose stecken und daf\u00fcr muss man T\u00fcr oder Fenster \u00f6ffnen. Und das mache ich nicht. Ich werde ja wohl nicht meine m\u00fchsam geschaffene W\u00e4rme gegen etwas WLAN tausche, was dann mit feuchter kalter Luft in den Salon str\u00f6mt.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p>Ja, ihr lest es die Stimmung richtig, es l\u00e4uft gerade nicht so rund. Nachdem wir in Tanger 3 Tage verbracht hatten und darauf gehofft hatten, noch Mitseglerinnen zu akquirieren sind wir zu zweit in Richtung Rabat \/ Agadir gestartet. Rabat hatte uns mehrfach abgesagt, da die Marina voll sei aber immerhin hatten sie geantwortet und vielleicht f\u00e4hrt ja \u00fcberraschend jemand los. Der Wind sollte g\u00fcnstig sein und es ging auch relativ gut los. Wir hatten mit dem Zoll verabredet, dass wir um 06.00h fahren und daf\u00fcr auschecken. Wir hatten dann entschieden nicht ganz so fr\u00fch zu fahren, um besser ausgeschlafen zu sein. Wir kamen um 07.30h am Zoll-Steg an, um 09.30h kamen dann auch die Kollegen vom Zoll. Um 10h konnten wir endlich ablegen, genau zu dem Zeitpunkt, zu dem ich noch eine Videokonferenz mit meinem deutschen Kunden hatte. Ich kam zu sp\u00e4t zur Konferenz, an der ich dann teilnahm, w\u00e4hrend uns Katja aus dem Hafen und der Bucht steuerte. Der Wind kam zwar leicht von vorn aber die Str\u00f6mung war mit uns. Ein angenehmes Gef\u00fchl, die 8nm, die wir noch aus der Stra\u00dfe von Gibraltar zu durchqueren hatten einmal mit Unterst\u00fctzung der Str\u00f6mung zu fahren. Nach zwei Stunden bogen wir nach links ab, um entlang der marokkanischen K\u00fcste nach S\u00fcden zu segeln. Inzwischen hatten wir Segel gesetzt und bei leichtem bis m\u00e4\u00dfigen Wind kamen wir gut voran. Wir hatten beschlossen, in weitem Abstand zur K\u00fcste zu fahren, um schlecht beleuchteten Fischerbooten und ggf. sogar Fischernetzen aus dem Weg zu gehen. Wir machten phasenweise 8-9kn Fahrt und dachten schon daran, in einem Rutsch nach Agadir durchzufahren. Die erste Herausforderung war die erste Nacht: Durch unseren gro\u00dfen Abstand zum Land fuhren wir inmitten der stark befahrenen Schiffahrtsroute f\u00fcr Schiffe, die entweder nach Afrika oder zu den Kanaren wollten oder auch f\u00fcr die, die nach Asien wollen und den Suezkanal sparen und um Afrika fahren. Damit umgehen sie auch das Kap von Afrika, was vor Somalia ein ziemliches Piratenrisiko mit sich bringt. So fuhren wir also mit diesen P\u00f6tten von z.T. 300m L\u00e4nge entlang der K\u00fcste. Wir wechselten uns im ca. 2h Rhythmus ab, wobei wir beide bem\u00fcht sind, den anderen etwas l\u00e4nger schlafen zu lassen, wenn wir selber noch k\u00f6nnen. Um zwei Uhr nachts konnte ich dann nicht mehr. Der Hauch einer Erk\u00e4ltung, den ich in Tanger \u00fcberwunden glaubte, meldete sich durch Schlafmangel, K\u00e4lte und Wind bef\u00f6rdert zur\u00fcck. Fieber und Sch\u00fcttelfrost lie\u00dfen mich vorzeitig zaghaft an Katjas Koje klopfen, ich konnte einfach nicht mehr. Das war ein ziemlich frustrierendes Gef\u00fchl. War doch ich der erfahrene Segler und f\u00fcr die Sicherheit und die \u00dcberfahrten zust\u00e4ndig. In meiner Vorstellung, wollte ich Katja eher schlafen lassen und als eiserner Seemann im Zweifelsfall auch allein die Nacht durchsegeln. Nun war ich ein zitterndes Seem\u00e4nnchen und brauchte Katjas Hilfe! Und die kam. Katja \u00fcbernahm und verbrachte mit gro\u00dfem Durchhalteverm\u00f6gen Stunden am Steuer. Waren Man\u00f6ver f\u00e4llig, nahm ich meine Restkr\u00e4fte zusammen und wir meisterten Reffen, Wenden oder Halsen gemeinsam. Oder wenn einer von denen, die Katja am meisten beunruhigten zu Nahe kamen: Gemeinsam wichen wir in ziemlich geringer Distanz einem fahrenden Containerberg von 320m L\u00e4nge aus, bei dem noch nicht einmal mehr zu ahnen ist, wo die Br\u00fccke sein k\u00f6nnte. Bestimmt steht auch ein Container direkt quer vor deren Fenster, d.h. sehen k\u00f6nnen die uns nicht. W\u00e4hrend ich in meiner Koje versuchte zu schlafen und wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen, konnte ich vom Fieber best\u00e4rkt eine Entscheidung treffen: Abbruch! Wir werden diese Nacht gut \u00fcberstehen aber weiterfahren k\u00f6nnen wir so nicht. Ich hatte einen Plan B f\u00fcr dieses Szenario und der hie\u00df: Mohammedia. Zwischen Rabat und Casablanca liegt diese Stadt mit Fischer- und Industriehafen und einem \u201eYachtclub\u201c aber dazu sp\u00e4ter mehr. Die Entscheidung hie\u00df allerdings auch, dass wir zum Moment unseres gr\u00f6\u00dften Abstandes zur K\u00fcste mal eben rechts ranfahren wollten. Das hie\u00df 50nm quer zur Schifffahrtsrichtung aber immerhin mit der Welle in Richtung Land, also ca. 8h Fahrt bis zum sicheren Hafen. Die Entscheidung war nat\u00fcrlich ambivalent. Wir machten gute Fahrt, waren auf einem optimalen Kurs weit weg von Fischernetzen und sollten nun einen gro\u00dfen Umweg machen. Am Ende war es doch eindeutig, Safety first und so angeschlagen bei unserer kleinen Crew fortzufahren w\u00e4re einfach zu riskant gewesen. Und daf\u00fcr hatten wir ja den Plan B!<\/p>\n\n\n\n<p>Mohammedia empfing uns freundlich \u00fcber Funk, sie hatten Platz f\u00fcr uns. Wir fuhren einen riesigen Bogen um lauter Gefahrentonnen vorbei an einem Industriehafen, dem Fischgestank entgegen. Mit meiner meist verstopften Nase leide ich begrenzt unter starken Ger\u00fcchen aber Katja ist mit einem \u00e4u\u00dferst feinen Riechorgan ausgestattet. Sie wird bestimmt selbst von den Ger\u00fcchen Mohammedias schreiben also will ich nicht zuviel vorwegnehmen. Wir wurden in die hinterste Ecke des Yachthafens geleitet, wo ich einmal mehr die Chance hatte, Hafenman\u00f6ver mit einem Trimaran zu \u00fcben. Nicht ganz einfach, da sehr eng aber immerhin ohne Wind. Wir wurden sehr nett empfangen und auch Polizei und Zoll waren sehr nett und relativ schnell am Start. Und auf dem Boot: In Marokko geht nichts ohne eine Inspektion des Bootes und so stapften 2 M\u00e4nner und eine Frau durch unser von der Nachtfahrt gebeuteltes Boot. Die Untersuchung erfolgt scheinbar ziemlich wahllos: Mal wird in die Schublade geschaut, mal in meinen Rucksack, dann wird energisch eine Kiste aus dem Regal gezogen und die darin liegenden Flaschen angehoben. Ich h\u00e4tte gern gewusst, wonach sie eigentlich suchen aber ich traute mich nicht zu fragen. Immerhin kamen sie ohne Hund an Bord, was auch h\u00e4ufig passiert. Im Yachtclub von Mohammedia waren wir \u00fcbrigens so ziemlich die einzige Yacht. Unsere Nachbarn waren alles kleine Fischerboote, direkt neben uns lag Omar, der Angeltouren mit G\u00e4sten anbot und das ganze in Omars Pesce Vlog auf Youtube verbreitete. Omar war sehr nett wie \u00fcberhaupt alle in Mohammedia. So hatte unser ungeplanter Stopp auch etwas Gutes. Wir blieben 3 N\u00e4chte, was die teuersten N\u00e4chte unserer bisherigen Reise waren. Irgendwie hatte der Yachtclub beschlossen, wenn sie schon Segeltouristen einen Anlaufpunkt bieten, daf\u00fcr ordentlich zur Kasse zu bitten. Obwohl wir so breit sind, wie zwei normale Segelboote, zahlten wir nur das 1,5-fache des normalen Satzes, also 75\u20ac pro Nacht. Daf\u00fcr gab es Wasser, Strom und eine Dusche, also alles was man braucht. Und die Unterst\u00fctzung von Hisham, der uns half, L\u00fccken in unserer Ausr\u00fcstung, wie Bleigewichte zum Tauchen zu schlie\u00dfen. Und auch L\u00fccken, von denen ich gar nichts wusste: So habe ich jetzt eine Vielzahl von K\u00f6dern, Vorf\u00e4chern und Haken, um doch noch zum gro\u00dfen Angler zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"2599\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2599\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205-300x225.jpg 300w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205-768x576.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7205.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"2600\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7206-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2600\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7206-768x1024.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7206-225x300.jpg 225w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7206-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7206.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"2601\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2601\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203-300x225.jpg 300w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203-768x576.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7203.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"2595\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2595\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218-300x225.jpg 300w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218-768x576.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7218.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick auf den Strand mit Sandnebel<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Wir versuchten Omar zu rekrutieren, mit uns nach Essaouira oder Agadir zu segeln, uns dabei das Fischen beizubringen und einen Youtubebeitrag von der Biosphera zu drehen. Er fand die Idee toll, kann aber nicht segeln und hat neben seinen zahlenden Charterg\u00e4sten auch noch Frau und zwei Kinder. Kinder haben wir auch und die versuchten wir dazu zu bewegen, nach Casablanca zu fliegen und mit uns weiter zu segeln. Nach der letzten Nacht fanden wir mehr Crew durchaus sinnvoll. Das h\u00e4tte auch fast geklappt, ein Flug war schon gebucht, wurde dann aber wieder storniert. War dann alles etwas kurzfristig und doch nicht so einfach. Es bescherte uns aber einen intensiven Tag mit Familienthemen, die nat\u00fcrlich neben unseren praktischen Herausforderungen auch immer mit an Bord sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag sollte es dann weitergehen. Inzwischen konnten wir Mohammedia wirklich nicht mehr riechen und der Wind sollte noch gut sein. Ich war wieder fit und die Vorstellung, noch l\u00e4nger zu warten und dann schwachen Wind mit gro\u00dfen Wellen von der Seite zu haben, rief mir sofort den Sound von schlagenden Segeln in Ged\u00e4chtnis. Es gibt nichts unangenehmeres, als langsames Fahren und Segel, die durch die Welle hin und her schlagen. Also Aufbruch aus Mohammedir, wieder in bew\u00e4hrter Kleincrew. Ziel Essaouira und h\u00f6chstens heimlich im Hinterkopf Agadir, was noch einmal 85nm weiter ist (nm steht f\u00fcr nautische Meilen und eine davon entspricht 1,85km). Diesmal machen wir alles entspannt und rechnen gar nicht mehr damit, dass Polizei und Zoll wie verabredet um 09.00h kommen. Um 10h zahlen wir unsere Rechnung und bereiten unseren Code D vor, um 10.30h kommt die Polizei an Bord und um 11h sind wir wieder auf dem Weg. Mohammedir hatte sch\u00f6ne Momente aber wir freuen uns, weiterzureisen. Nach 2h unter Motor, um aus dem Windloch vor der K\u00fcste zu kommen, setzen wir den Code D, unser orangenes Leichtwindsegel. Der steht super und mit halben Wind machen wir schnell 9-10kn Fahrt. Wow, das macht Spa\u00df! Da Boot rauscht durch die See, einer der drei R\u00fcmpfe schwebt \u00fcber dem Wasser und wir kommen super voran. Das geht eine Weile so, wir essen, machen Musik an und freuen uns \u00fcber das Boot, den Wind und unsere tolle Fahrt. Bis es ziemlich laut \u201ePung\u201c macht und der Code D ziemlich schnell zu Boden oder besser gesagt ins Wasser rauscht. Das Fall hatte sich am Mastbeschlag durchgescheuert und war gerissen (mit einem Fall zieht man das Segel hoch). Ich kenne das von fr\u00fcheren T\u00f6rns aber nach nur 3-4h Fahrt ist das echt fr\u00fch. Katja und ich hatten bis zu diesem Zeitpunkt gut auf uns selbst geachtet und mit unseren Kr\u00e4ften gehaushaltet \u2013 ein Learning aus der letzten Nachtfahrt. Nun waren wir beide in Action und zogen die 110m\u00b2 Segeltuch bei Restfahrt von 3-4kn aus dem Wasser. Eigentlich haben wir das ganz hinbekommen, das Segel war nach ca. 45 Minuten wieder in seinem Sack und nach ner guten Stunde segelten wir wieder mit Standardbesegelung, d.h. mit Genua und Gro\u00dfsegel. Das allerdings noch im 1. Reff, da wir uns dadurch erhofften, dass der Code D bei achterlichen Winden (Wind von hinten) besser steht und nicht so stark vom Gro\u00dfsegel verschattet wird. Das hatte sich erledigt, denn nun fuhren wir den Teil der \u00dcberfahrt, von dem wir den Wind von hinten hatten, ohne Code D. Und genau daf\u00fcr war er gedacht gewesen. Jetzt mussten wir also versuchen, mit Gro\u00dfsegel und Genua so tief wie irgendwie m\u00f6glich zu fahren. Es mag Nichtsegler verwundern, aber es ist so: Man kann bekannterma\u00dfen nicht direkt gegen den Wind segeln aber direkt vor dem Wind ist auch bl\u00f6d. Es gibt zwar Kurse wie \u201eSchmetterling\u201c, bei dem das Gro\u00dfsegel auf der einen Seite und das Vorsegel auf der anderen stehen, aber das ist ein sehr unbeliebter Kurs, zumindest, wenn man sich daf\u00fcr nicht gut vorbereitet hat. Also versuchten wir so tief zu fahren, wie es ging, ohne dass die Segel schlagen und einfallen. Das sind ca. 150\u00b0 zum wahren Wind oder 135\u00b0 zum scheinbaren, je nach Geschwindigkeit. Die ist dann insgesamt auch nicht mehr so hoch, das Boot f\u00e4hrt mit halben Wind (Wind von der Seite) viel schneller als mit Wind von hinten. Agadir ist also vom Tisch oder besser gesagt mit dem Code D ins Wasser gefallen, wir nehmen Kurs auf Essaouira. Ich versuche auch parallel \u00fcber andere Segler Kontakt zu den Marinas aufzunehmen um herauszubekommen, wo wir \u00fcberhaupt hink\u00f6nnen. Die Marinas selbst antworten normalerweise nicht. Wir beschlie\u00dfen einen neuen Wachrythmus f\u00fcr die Nacht: Um einen 90-Minuten Schlafzyklus zu erm\u00f6glichen und jeweils 15 Minuten zum An- bzw. Ausziehen, wollten wir uns gegenseitig nach 2h wecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wurde deutlich, dass wir auf Grund der Einschr\u00e4nkungen des Kurses eine deutlich l\u00e4ngere Strecke fahren und dabei nicht so schnell sind wie erhofft. Der Wind blieb leicht und wir hatten in der Nacht teilweise nur 4kn Fahrt gemacht. Auch wenn es ab mittags besser werden sollte, war Essaouira noch weit. Immerhin war die Welle mit uns und wenn wir eine Welle absurften, waren wir auch mal wieder 9kn schnell. Allerdings geht es dann auch wieder hoch aus dem Wellental und da f\u00e4llt dann die Geschwindigkeit auf 5kn. Erst am sp\u00e4ten Nachmittag haben wir uns getraut, Schmetterling zu fahren, wodurch wir bei 20-25kn wahren Wind wieder bei 8-10kn Fahrt waren. Jeder Segler kann sich vorstellen, dass Vorwindsegeln bei 2-2,5m Welle und 5-6 Windst\u00e4rken trotz \u201eBullenstander\u201c eine echte Herausforderung ist. (Ein Bullenstander ist eine Sicherungsleine, die den Gro\u00dfbaum zus\u00e4tzlich fixiert, um zu vermeiden, dass der Baum von einer Seite auf die andere schl\u00e4gt, wenn man sich versteuert oder der Wind dreht). Der Autopilot und ich haben abwechselnd hochkonzentriert gesteuert, wobei ich nicht wei\u00df, wer das besser hinbekommen hat. Zumindest hat der Autopilot nicht laut \u201eSchei\u00dfe\u201c geschrieben, wenn sich die Genua mal wieder eingefaltet und mit lautem Knallen wieder aufgebl\u00e4ht hat. So n\u00e4herten wir uns jetzt endlich mit gro\u00dfer Geschwindigkeit Essaouira, einem bekannten Starkwindrevier. Es war diesig und bew\u00f6lkt und damit war absehbar, dass wir nicht mit langer D\u00e4mmerung nach Sonnenuntergang rechnen durften. Die Sicht war schon jetzt nicht mehr so dolle und wir hatten die Wahl: Segel bergen bei 6 Windst\u00e4rken und 2,5m Welle auf offener See, daf\u00fcr mit Sonnenlicht oder unter Segel in die Bucht von Essaouira fahren und dann bei ruhigem Wasser die Segel bergen, dass dann wohl im Dunkeln. Wir entschieden uns f\u00fcr das Bergen auf See, was sich als eine gute Wahl herausstellte. Als wir uns der Einfahrt in die Bucht von E. n\u00e4herten, frischte der Wind auf 30kn auf und es war nicht nur dunkel sondern auch total nebelig. Helle Lichter an Land waren als diesige kleine Punkte zu erkennen, sonst nichts. Wir fuhren praktisch blind und auf den GPS-Plotter vertrauend in die Bucht. Wir hatten Kontakt zur \u201eSlow Motion\u201c aufgenommen, einem deutschen Schiff, was wir kurz in Tanger kennengelernt hatten und das in der Bucht lag. Sie wollten uns mit Blitzlicht und Decksbeleuchtung leiten. Wir sahen absolut nichts. Die Welle nahm in der Bucht ab, aber der Wind blieb bei 20-25kn, als 5-6 Bft (Windst\u00e4rken). Zum Gl\u00fcck ist die Bucht riesig und wir fuhren mit Hilfe von GPS einen gro\u00dfen Bogen, bist wir irgendwann kleine Punkte sahen. Das waren die Ankerlichter von Slow Motion und anderen Booten, die allerdings schon ziemlich nah waren, als wir sie sahen. Wir verzichteten darauf, den von Slow Motion angegebenen optimalen Ankerplatz durch die anderen Boote anzufahren, sondern warfen unseren Anker hinter den anderen und gaben 55m Kette. Platz war ja genug und wieder einmal liebte ich unseren Anker (Sarca Excel 30kg), den wir blind werfen k\u00f6nnen und ich wei\u00df einfach, er h\u00e4lt. Beim ersten Mal, bombenfest!<\/p>\n\n\n\n<p>Dann war erstmal Ruhe. Wir schaukelten leicht, setzten einen Ankeralarm und machten uns \u00fcber die Spagetti her, die vom Mittagessen \u00fcbrig waren. Ich war so erleichtert, dass ich noch die Gitarre rausholte und wir gemeinsam sangen, was Katja animierte, die Gem\u00fctlichkeit noch mit Ansetzen von Brotteig abzurunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen ist Katja auch wach und verwandelt den Teig in frische Br\u00f6tchen. Der Ofen und der kaffekochende Gasherd machen den klammen Salon immer gem\u00fctlicher und Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Nebel. Erste Umrisse unserer Nachbarn werden erkennbar, es wird bestimmt ein neuer, toller Tag im Paradies des Biosphera!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"2607\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2607\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242-300x225.jpg 300w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242-768x576.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7242.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Sonne kommt durch: Blick auf die Slow Motion<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"2593\" src=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2593\" srcset=\"https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240-300x225.jpg 300w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240-768x576.jpg 768w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/biosphera.life\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/img_7240.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Rest der leckeren Br\u00f6tchen<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist 07.30h und wir liegen in Essaouira vor Anker. Das glaube ich zumindest, sehen kann ich nichts davon. Es ist so neblig, dass wir nicht einmal sehen k\u00f6nnen, wo unsere Ankerkette ins Wasser geht. Von anderen Booten, die hier liegen m\u00fcssen oder gar dem Hafen, dem Ufer, der Stadt ist absolut nichts zu sehen. 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